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Müde Mitarbeiter

 Überlastung

 Müde Mitarbeiter machen mehr Fehler,

     Chef's auch!

Extrem lange Arbeitszeiten gehören bei Führungskräften zum Alltag.

Wer sich weigert oder dem Druck nicht standhalten kann, wird schnell aussortiert. Weder sich selbst noch dem Unternehmen tun sie damit einen Gefallen. Wie Sie Ihr Pensum schaffen, ohne Fehler zu machen?

Wer hält am längsten durch? In vielen Berufen gehören lange Arbeitszeiten fast so sehr zum Image wie Dienstwagen und teure Urlaubsreisen.

Wer immer verfügbar ist, gilt als belastbar und bereit, im Unternehmen Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig steigt der Anspruch der Arbeitgeber gegenüber Führungskräften, Kraft und Zeit voll und ganz der Firma zu widmen. Wer sich weigert oder dem Druck nicht standhalten kann, wird schnell aussortiert.

Nach einer Studie zur Work-Life-Balance der Personalberatung Kienbaum und dem Harvard Businessmanager arbeiten vier Fünftel der deutschen Führungskräfte mehr als 50 Stunden pro Woche. Gut die Hälfte der Manager mit einem Jahresgehalt über 200.000 Euro hat sogar eine 60 bis 70 Stundenwoche.

Risiko für die Gesundheit

Weder sich selbst noch dem Unternehmen tun sie damit einen Gefallen. „Mit langen Arbeitszeiten steigen die gesundheitliche Beeinträchtigung und das Risiko, Fehler zu machen“, sagt Friedhelm Nachreiner, Professor an der Universität Oldenburg mit dem Schwerpunkt Arbeitspsychologie. Die Ergebnisse seiner Forschung sind in allen Branchen, allen Berufen vergleichbar, auch wenn sie sich unterschiedlich ausprägen: So steigt das Risiko, in einem Bauberuf während der Arbeit einen Unfall zu erleiden, nach der achten Arbeitsstunde exponentiell an. Eine Unachtsamkeit hat hier eine besonders starke Wirkung. Doch auch in Berufen mit geistiger Arbeit steigt mit der Arbeitsdauer die Fehlerquote. „Mehr Arbeit ist nicht gleichbedeutend mit entsprechend höherer Produktivität“, so Nachreiner.

Doch anstatt die vorhandenen Aufgaben auf mehr Schultern zu verteilen, neigen deutsche Unternehmen dazu, bei guter Auftragslage die vorhandenen Arbeitskräfte länger arbeiten zu lassen. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der geleisteten Überstunden seit 2005 beständig gestiegen. Für 2008 erwartet das IAB ein Volumen von 1493,2 Millionen Stunden. Enthalten sind lediglich die bezahlten Überstunden. Die Zahl der unbezahlten liegt nach vorsichtigen Schätzungen noch einmal so hoch.

Bezogen auf die tariflichen Vereinbarungen arbeiten die Beschäftigten des Bauhauptgewerbes am längsten, wie aus dem Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht.
40 Stunden müssen hier in West- und Ostdeutschland gleichermaßen gearbeitet werden.

Darauf folgt das Hotel- und Gaststättengewerbe mit 39 Stunden im Westen und 40 Stunden im Osten. Jeweils 39 Stunden sind es bei Banken und in der Gebäudereinigung.

Menschen in leitender Funktion überschreiten in ihrer tatsächlichen Arbeitszeit die 40-Stundenmarke regelmäßig.
Das geht aus einer Auswertung der Erwerbstätigenbefragung schon von 2005/2006 des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin für WELT ONLINE hervor.

Demnach kommen leitende Angestellte aus den Ordnungs- und Sicherheitsberufen auf 50,66 Stunden, in Verkehrsberufen liegt der Wert bei 50,16 Stunden. Leitende Angestellte mit Verwaltungs- und Organisationsaufgaben im Büro kommen auf 49,11 Stunden pro Woche.


Regelmäßig
Pausen machen 
Die Leistungsfähigkeit steigern!

Die lange Arbeitszeit wird von Führungskräften nicht unbedingt als belastend empfunden. So sahen 37 Prozent der Befragten bei der Work-Life-Balance-Studie von Kienbaum und Harvard Businessmanager ihre Arbeitszeit als Herausforderung an.
44 Prozent hielten ihre Arbeitszeit für normal.
Nur 19 Prozent fanden das Arbeitspensum anstrengend.

„Der wichtigste Antrieb ist für die meisten der Spaß an der Arbeit“, sagt Walter Jochmann,

Vorsitzender der Geschäftsführung von Kienbaum. Weitere wichtige Motive sind Anerkennung, Karriereperspektiven und die Bezahlung. Tatsächlich kann bei langen Zeiten hoher Konzentration ein Hochgefühl einsetzen, das als „Flow“ bezeichnet wird. Dieser Zustand kann die durch die Arbeitszeit bedingte Leistungsminderung weitgehend ausgleichen. „Ermüdung kann durch Motivation kompensiert werden“, sagt Arbeitspsychologe Friedhelm Nachreiner. Wenn jedoch auch diese Phase ihr Ende gefunden hat, ist der darauf folgende Leistungsabfall umso gravierender. Die Ermüdung wirkt bis in den folgenden Tag. Um langfristig gute Leistung erbringen zu können, müsste darauf geachtet werden, dass Mitarbeiter regelmäßige Pausen einlegen.

Die vor allem bei Führungskräften verbreitete Vertrauensarbeitszeit, bei der es nicht um die Anwesenheit im Büro sondern um die Erledigung von Arbeitsaufträgen geht, führe allerdings dazu, dass diese Pausen missachtet würden. Ein Phänomen, das aus anderen Zusammenhängen, etwa dem Autofahren, bekannt sei, sagt Nachreiner. „Man fährt auch erst von der Autobahn ab, wenn man zu müde ist zum Fahren. Dann aber ist es schon zu spät.“ Der Fahrer stellt schon eine Gefahr dar. Für Unternehmen und Führungskräfte heißt das, lieber einen Gang zurückschalten und dafür folgenschwere Managementfehler verhindern.

Quelle: Von Henning Zander 10. November 2008, 12:26 Uhr