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Kampf dem Stress


Belastung im Job

Kampf dem Stress

Psychostress treibt Berufstätige zunehmend in die Frührente. Doch was fällt eigentlich unter psychische Belastungen
am Arbeitsplatz? Und wie können sich Arbeitnehmer dagegen wehren? Ein Überblick über die Rechtslage.



Quelle 

Mit dem Stress ist das so eine Sache. Ganz ohne wird ein Arbeitsplatz leicht langweilig, einerseits.
Andererseits macht zu viel Stress über einen langen Zeitraum krank, sehr häufig 
spielt dabei beruflicher Druck eine Rolle
.

Einer aktuellen Studie der Bundespsychotherapeutenkammer zufolge scheiden immer mehr
Deutsche wegen psychischer Erkrankungen vorzeitig aus dem Job aus.

Aber was sind eigentlich psychische Belastungen im Job? Und wie wehre ich mich, wenn mein
Chef mir zu viel Stress zumutet? Karriere SPIEGEL hat die wichtigsten Fragen und Antworten
gesammelt.

Was genau sind eigentlich psychische Belastungen am Arbeitsplatz?

Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin entstehen psychische Belastungen
durch Umgebung, Organisation, Aufgabe und Bedingungen der Arbeit sowie aus den Arbeitsmitteln.
Dazu gehören etwa Pausenregelungen, Beleuchtung am Arbeitsplatz oder die Anzahl der
Mitarbeiter in einem Raum. Aus allen Faktoren entsteht eine psychische Beanspruchung, die
von jedem Beschäftigten unterschiedlich wahrgenommen wird.

Wie schützt der Gesetzgeber Arbeitnehmer vor Psychostress?

2013 wurde das Arbeitsschutzgesetz um einen Passus ergänzt, der klarstellt, dass eine
Gefährdung am Arbeitsplatz nicht nur durch falsche Arbeitskleidung oder ein wackliges Regal,
sondern auch durch psychische Belastungen entstehen kann. Demnach ist die Arbeit "so zu
gestalten, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und die psychische
Gesundheit möglichst vermieden" wird. Ein Arbeitsplatz soll also auch danach beurteilt werden,
ob Mitarbeiter mit ihren Aufgaben überfordert sind, hoher Zeitdruck herrscht, Nachtarbeit
verlangt wird oder man zu wenige soziale Kontakte bei der Arbeit hat.

Wer ermittelt, welche Maßnahmen getroffen werden müssen?

Der Arbeitgeber selbst. Er muss geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen herausfinden und durchführen.
Dabei kann er sich von Experten unterstützen lassen, zum Beispiel vom Brandschutzbeauftragten
oder dem Betriebsarzt.

Und wer kontrolliert, ob sie eingehalten werden?

Zuständig sind die Arbeitsschutzaufsicht der Bundesländer sowie Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger. Ihre Kontrollen sollen regelmäßig erfolgen, wie oft genau, ist jedoch nicht
festgelegt. Kontrolliert wird auch anlassbezogen, etwa wenn es einen Unfall gab oder Beschwerden
vorliegen.
 

Riecht's schon brenzlig?

Corbis

Wenn Arbeit und Privatleben völlig aus dem Gleichgewicht geraten, droht ein Burn-out: Wie belastbar
sind Sie, wie steht es um Ihre seelischen Reserven? Worauf müssen Sie achten in Job und Alltag? Eine Selbstprüfung hilft dabei, Warnsignale für Erschöpfungszustände früh zu erkennen.

Welche Möglichkeiten haben Arbeitnehmer, sich gegen Stress am Arbeitsplatz zu wehren?

Arbeitnehmer sollten zunächst mit ihrem Vorgesetzten darüber sprechen, warum sie sich gestresst
fühlen und welche Maßnahmen dagegen ergriffen werden können, rät Jörg Feldmann von der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Stellt der Arbeitgeber sich quer, könne der
Betriebsarzt oder der Betriebsrat weiterhelfen. Nützt auch das nichts, kann man sich an das zuständige
Amt für Arbeitsschutz oder die Berufsgenossenschaft wenden, so Feldmann. "Dazu würde ich aber erst
raten, wenn keine Lösung im Betrieb gefunden wird." Liegt ein konkreter Anhaltspunkt vor, würden laut
Feldmann die Aufsichtsbehörden tätig.

Wie sehen die Kontrollen aus?

Bei allem, was nicht mit einem Zollstock gemessen werden kann, fragen die Kontrolleure vor allem nach
- wie die Arbeit organisiert ist, wie die Beschäftigten die Arbeitsumstände empfinden.

Finden Beurteilungen flächendeckend statt?

Schön wär's. Laut einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) von 2012 haben nur
28 Prozent aller Beschäftigten eine Gefährdungsbeurteilung in ihrem Betrieb erlebt. Davon wurde nur
in einem Drittel der Fälle nach psychischen Problemen gefragt. Allerdings haben die Länder, in deren Zuständigkeit die Kontrollen liegen, ihren Personalbestand bei der Arbeitsaufsicht jahrelang
heruntergefahren. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage sagte die Bundesregierung 2012:
"Es gibt einige Länder, bei denen der Personalbestand derzeit gerade noch ausreichend ist.
Es gibt aber auch Länder mit einer deutlich geringeren Personalausstattung."

Was sind die Folgen, wenn eine Firma negativ auffällt?

Die Behörden können Verwarnungen aussprechen, Bußgelder verhängen, Strafanzeige stellen oder im
Extremfall den Betrieb schließen. Die einschlägigen Statistiken sagen aber nichts darüber aus, wie viele
dieser Strafen wegen psychischer Belastungen verhängt wurden.

Warum steigt die Zahl der Arbeitnehmer, die wegen psychischer Erkrankungen in Frührente gehen,
trotzdem immer weiter an?

Zum einen steht die praktische Frage im Raum, wie psychische Belastungen überprüft werden sollen.
Die Analyse ist eben nicht so leicht wie etwa die Antwort auf die Frage, ob ein Fluchtweg breit genug
ist. Schulungen für Kontrolleure haben begonnen, doch die Leitlinien, nach denen dabei vorgegangen
wird, sind nicht sehr konkret. Anhaltspunkte für die Beurteilung von Gefährdungen geben Fachbücher,
die beispielsweise von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin herausgegeben werden.

Zum anderen bleibt offen, was die Ursache der psychischen Erkrankungen ist. Außer Stress am Arbeitsplatz
können auch Ereignisse im Privatleben eine psychische Erkrankung auslösen, zum Beispiel eine Trennung
oder der Tod eines geliebten Menschen.


Corbis

Quelle Spiegel Karriere


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